

SZENE: Hallo Tim. Du bist Berliner, oder?
TIM BENDZKO: Und man mag’s kaum glauben, ich bin echter Berliner, also auch in Berlin geboren und bis auf eine ganz kleine Ausnahme auch immer hier gewesen.
SZENE: Und du machst Popmusik.
TIM BENDZKO: Im Gegensatz dazu wie man sich Popmusik im Allgemeinen vorstellen würde ist sie doch sehr akustisch, aber eben ohne dieses Singer/Songwriter-Ding zu haben. Es ist also schon Beat-geprägt, die Beats sind aber akustisch aufgenommen.
SZENE: Gab es ein großes, spektakuläres Ereignis, dass du plötzlich dachtest: Huch, jetzt muss ich Musik machen?
TIM BENDZKO: Eigentlich war ja der Plan, dass ich Fußballer werde. Auch als Kind fand ich das total toll: Fußballspielen. Dann bin ich auch auf einer Sportschule gewesen, da hat sich alles um Fußball gedreht. Ich hab meine gesamte Freizeit, als ich noch Kind war, auf dem Fußballplatz verbracht. Also bis 15, 16 war ich auch im Verein und habe vier Mal die Woche trainiert und einmal mindestens gespielt. Deshalb war das alles immer nur mit Fußball voll. Aber irgendwann konnte ich meine Eltern dann auch davon überzeugen, dass sie sich damit ein bisschen geirrt haben. Und dass ich mich auch geirrt habe. Und meine Trainer. Dass Fußball vielleicht nicht mein größtes Talent ist. Ich war einfach nur sehr schnell. Das war, glaub ich, meine einzige Qualität, die ich in dem Sport hatte. Und dann war ich 15, 16 und dachte: Mensch, jetzt bin ich in einem Alter, jetzt könnte ich ja wirklich mal Musik machen.
SZENE: Dann hast du einfach drauf los gesungen?
TIM BENDZKO: Erst einmal hab ich angefangen Gitarre zu lernen. Auch um mich selbst begleiten zu können. Mein Gitarrenlehrer war dann die meiste Zeit nicht da, so dass wir nach einem dreiviertel Jahr erst auf Seite 20 im Lehrbuch waren. Außerdem hab ich die Lieder aus dem Buch Zuhause gleich mehr oder weniger aus dem Kopf spielen können, hab die dann nicht weiter geübt und wenn ich die dann vom Blatt spielen sollte, waren die wie weggeblasen. Das war irgendwie nicht meins mit dem Gitarrelernen.
SZENE: Schreibst du deine Songs selbst?
TIM BENDZKO: Das ist mir total wichtig. Wenn mir jemand einen schönen Text geben würde und mir sagen würde: Spiel das doch in deinem Album, dann mag das ja ein schöner Song sein, aber dann wüsste ich trotzdem nicht so richtig, warum ich das tun sollte.
SZENE: Wie schreibst du deine Songs?
TIM BENDZKO: Der Anfang ist ganz banal. Meine Songs entstehen meistens, weil mir irgendeine Zeile einfällt. Oder vielleicht auch zwei, drei Zeilen, die gut zusammen passen und ich dann denke: Mensch, das könnte ein guter Song werden. Und dann schreib ich in meinem Kopf eben diese Zeile oder den Refrain. Fertig ist der Song dann erst, wenn die Band den das erste Mal spielt. Und wenn man den Song dann irgendwann live spielt und feststellt, dass die Leute das genauso gut finden, wie wir - ja was will man denn mehr?
SZENE: Steckt ein Tim Bendzko in deinen Songs?
TIM BENDZKO: Was daran liegt, dass ich sie schreibe. (lacht) Es ist nicht so, dass ich Geschichten aus meinem Leben 1:1 nacherzählen möchte und muss. Im Gegenteil, wenn ich das mal mache, schreibe ich den Song nach einem halben Jahr bestimmt wieder um. Es ist eher so, dass ich Gefühle, die ich habe, in Songs umwandle.
SZENE: Die meisten Songs auf deinem Album sind relativ melancholisch. Bist du generell etwas melancholisch?
TIM BENDZKO: Lebensbereiche, in denen es einfach läuft, die beschäftigen mich ja nicht, weil da läuft ja alles. Deshalb sind das eher die Sachen, mit denen man nicht so im Reinen ist, die unbedingt nach Draußen wollen. Und deshalb ist es naheliegender, über Sachen zu schreiben, die einen ein bisschen bedrücken, um damit dafür zu sorgen, dass sie eher nicht mehr bedrücken. Dadurch scheinen manche Songs viel melancholischer, als ich es eigentlich bin.
SZENE: Was beschäftigt dich denn? Frauen?
TIM BENDZKO: Man könnte jetzt meinen, dass die meisten Songs irgendwie Liebessongs sind. Dass es immer über Frauen geht. Natürlich sind Frauen wichtig. Und nehmen einen großen Platz in meinem Leben ein. Aber meistens benutze ich nur das Thema Liebe oder das Thema Beziehung als Fahrzeug für etwas anderes, was ich eigentlich sagen möchte. Also eigentlich schreibe ich über alles, was mich irgendwie beschäftigt und was raus muss.
SZENE: Das Album heißt: ›Wenn Worte meine Sprache wären‹. Das ist ein bisschen verwirrend. Denn die Sprache besteht ja zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Worten. Wobei der größte Teil der Sprache ja aus nonverbaler Kommunikation besteht: Mimik, Gestik, Distanz, olfaktorischen Signalen, Erröten, Schwitzen und so weiter. Haderst du generell ein bisschen mit verbaler Kommunikation.
TIM BENDZKO: (lacht) Nein. Aber ich hadere die meiste Zeit natürlich damit, die richtigen Worte zu finden. So, wie es im Leben ständig darum geht, die richtigen Worte zu finden. Wenn mir das die ganze Zeit gelingen würde, wäre das jetzt wahrscheinlich das dritte oder vierte Album.
SZENE: Würdest du eigentlich gern die Welt retten?
TIM BENDZKO: Das könnte man meinen, wenn man den Song der ersten Singleauskopplung hört. ›Nur Noch Kurz Die Welt Retten.‹ Aber in dem Song geht es vielmehr darum, einfach vorzugeben, etwas ganz wichtiges zu tun, um sich mit belanglosen Dingen zu beschäftigen, oder Dingen, die einem einfach sehr viel Spaß machen. Und man sagt dann einfach: Ich geh mal kurz die Welt retten. Einfach nur um wieder ein bisschen Zeit zu gewinnen.
SZENE: Bei manchen Songs auf deinem Album denkt man sofort: Das geht jetzt total los! Das ist bei ›Sag Einfach Ja‹ und ›Ich Kann Alles Sehen‹, glaub ich, so. Wie hast du das angestellt?
TIM BENDZKO: Ich weiß, was du meinst, aber witzig ist, dass wir das so bei der Produktion dieser Songs nicht erwartet hatten. Ich wundere mich immer noch, wie gut diese Songs geworden sind.
SZENE: Gibt es einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?
TIM BENDZKO: Also zum Beispiel ›Ich laufe‹. Da hab ich bestimmt zwei Monate diesen Text jeden Tag hin und her gewälzt. Der liegt mir darum besonders am Herzen.
SZENE: Der ist auch extrem schön geworden. Tim, vielen Dank für das Interview.
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