SA | 18.02. | 20 UHR | STADTHALLE
SZENE: Seit deinen Comedy-Anfängen vor mehr als 10 Jahren spielst du vor allem mit Klischees. Wie erklärst du dir, dass das Interesse an diesem Thema so ungebrochen ist?
KAYA YANAR: Weil Unterschiede witzig sind und weil fremde Bräuche und Sprachen manchmal so komisch sind, dass man erstmal darüber lachen muss. Die skurrilsten Sachen präsentiere ich dann in meinem Programm wie zum Beispiel jetzt mit „All Inclusive!“ Die Shows bieten die Möglichkeit sich in lockerer und lustiger Atmosphäre mit anderen Kulturen zu befassen – auch wenn vieles natürlich überspitzt ist. Ich würde sagen, dass es einfach Spaß macht. Vor allem in einer Gesellschaft, die sich zunehmend der Welt öffnet und auch wissen will, wie es anderswo auf der Erde zugeht.
SZENE: Wenn du seit über 10 Jahren Menschen mit diesem Programm-Filter betrachtest, hast du bestimmt Veränderungen von Klischees entdeckt. Welche sind das?
KAYA YANAR: Die Klischees selber haben sich wenig bis gar nicht verändert. Das ist ja der Deal mit den Klischees. Dass die so fest in den Köpfen bleiben, dass man nichts daran ändern kann. Außer das vielleicht in der Ausführung klischeehaften Verhaltens bei vielen noch ein oder mehr Smartphones dazugekommen sind.
SZENE: Welche Klischees von den Deutschen würden auf der Bühne nicht funktionieren -- vielleicht weil sie nicht verstanden würden oder zu ernst sind oder die Deutschen sie nicht hören möchten?
KAYA YANAR: Also mit „Made in Germany“ habe ich ja eigentlich alles abgehandelt was man an Klischees bei den Deutschen finden kann und das ist auch sehr gut angekommen. Der Deutsche Humor ist sehr offen und bereit für vieles.
SZENE: Ist die breite Begeisterung der Deutschen für Comedyshows im Allgemeinen auch ein Klischee oder schon ein gesellschafts-psychologisches Phänomen? Wie ist deine Meinung dazu?
KAYA YANAR: Ich denke, dass Comedy immer gerade dann gefragt ist, wenn die Zeiten schwieriger sind und es den Leuten nicht so gut geht. Dann haben die Leute generell ja nicht soviel zu lachen. Comedy ist dann sozusagen ein Stimmungsaufheller, denn Lachen tut einfach gut. Viele sind ja auch verunsichert, was ihre ökonomische Situation betrifft. Bei den Vorstellungen können diese dann einfach mal zwei Stunden lang abschalten.
SZENE: Glaubst du, dass der türkische Dialekt sich als Soziolekt unter Deutschen langfristig durchsetzt? ;)
KAYA YANAR: Hat er sich doch längst. Wenn ich mit meinen deutschen Freunden unterwegs bin, sprechen wir oft einfach so mit türkischem Dialekt. Das beherrscht seit Hakan doch jeder.
SZENE: Die Debatte um den Bundespräsidenten scheint sich im Unbewussten auch daran zu entfachen, dass er öffentlich wiederholt äußerte, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei. Wie siehst du das aus deiner Perspektive?
KAYA YANAR: Religion ist immer ein Reibungspunkt – als Comedian versuche ich den immer zu vermeiden, da man nie im Sinne aller sprechen kann.
SZENE: Gibt es Grenzen für dein Programm? Dinge, die du gern tun/erzählen würdest, die du aber nicht machen darfst? Welche Grenzen werden dir von Veranstaltern/Produzenten gesetzt?
KAYA YANAR: Natürlich gibt es Grenzen, die ich mir bewusst selber setze. Zum Beispiel eben bei Religion. Religion ist einfach ein Aspekt, der für die meisten zu wichtig ist, als das ich mich darüber lustig machen würde.
SZENE: Was für ein Klischee amüsiert dich an dir selbst am meisten?
KAYA YANAR: Das kann ich schlecht beurteilen, aber mich als Ranjid mit seinen überzogenen indischen Klischees wie ein Wahnsinniger auszutoben, amüsiert scheinbar nicht nur mich.
Interview: Martin Graupner
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