„Boomschlaberlaber-Sexy Eis“, „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Was hat man denn vom Leben“ – die Kreuzung aus Heinz Erhardt, Didi Hallervorden und Rühmann, alias Bürger Lars Dietrich war schon immer eine der lustigsten deutschsprachigen Hiphop Erscheinungen. Nun hat der 1973 Geborene ein kleines feines Büchlein geschrieben, in dem er seine Kindheit und Jugend in der DDR noch mal so richtig durch den Kakao zieht und die SZENE hat da gleich ein bisschen mitgezogen …
SZENE: Du bist ja Jahrgang 73, gehörst also zu der Generation, die in der DDR Kindheit und Schule noch gerade so vollständig mitgemacht hat. Wie würdest Du das Grundgefühl deiner Kindertage beschreiben.
Bürger Lars Dietrich: Es war aus meiner Sicht ein Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite empfand man eine gewisse Sicherheit vor all dem Bösen und Schlechten, das sich angeblich hinter der Mauer befand (Obdach- und Arbeitslosigkeit, Drogen, Waffen etc.). Auf der anderen Seite war da aber auch Frust über die positiven Dinge, vor denen wir leider auch beschützt wurden (Schlümpfe, BMX-Räder, Zauberwürfel, Westschallplatten, Westklamotten, Videorecorder, Reisen ins kapitalistische Ausland usw.)
SZENE: Für deine Generation kam die Wende ja gerade rechtzeitig, um den Weg ins „Erwachsenenleben“ frei wählen zu können. Bist Du eigentlich geworden, was Du werden wolltest oder hat die Wende alle Pläne zu Nichte gemacht?
BLD: Es ist tatsächlich so, dass das Timing für mich persönlich nicht besser hätte sein können. Einen künstlerischen Weg hatte ich bereits eingeschlagen und wollte innerhalb der DDR als Entertainer durchs Land ziehen. Durch den Mauerfall taten sich eine Menge ungeahnter Türen und Möglichkeiten auf, die ich mir nie hätte träumen lassen.
SZENE: Der Legende nach sollst Du bereits 1985, also in der fünften Klasse, den Breakdance entdeckt haben. Welche Interpreten hatten denn da Dein Herz gewonnen und hast Du deswegen Ballett und Tanz an der Palucca Schule in Dresden und an der Staatlichen Ballettschule Berlin studiert?
BLD: Ich war von Anfang an ein Riesen-Fan von Grandmaster Flash, Africa Bambaataa, Kurtis Blow, Rocksteady Crew, Sugarhillgang und Chiefrocker Busy Bee, obwohl ich lange Zeit von jedem nur ein Lied auf Tonband hatte (schlechteste Qualität vom Feinsten) und bis zum Mauerfall noch nicht einmal wusste, wie die eigentlich aussahen, da sie sogar im Westfernsehen nie groß zu sehen waren.
Zum Ballett bin ich tatsächlich durch Breakdance gekommen, da mein Tanztalent zum Ausdruck kam und meine Cousine Sandra, die ebenfalls an der Palucca Schule in Dresden Ballett studierte, mich zu einem Vortanzen überredete.
SZENE: Was ist der größte Vorwurf, den Du der „Diktatur des Proletariats“ machen musst?
BLD: Die plumpen und krankhaften Versuche uns für dumm zu verkaufen und uns fern zu halten vom Rest der Welt (Gut Englisch kann ich schlecht!!!)
SZENE: Die „Born in the GDR 73“ Generation hatte verhältnismäßig wenige Breakdancer, jedenfalls für Außenstehende. Warst Du, vielleicht zur Tarnung, Mitglied in einer der anderen Jugendkulturen wie Gruftis, Popper oder so?
BLD: Breakdancer stammten bei uns aus den Popperkreisen und nannten sich nach dem Film „Beatstreet“ Hip Hops.
SZENE: Wie kam der Buchtitel denn zustande? Bist Du durch den DDR Englischunterricht auch so traumatisiert, wie der Rest der Republik?
BLD: Da ich zu Ostzeiten wirklich keinen Drang verspürte, eine westliche Fremdsprache zu können, hielt ich mich vom Englischunterricht fern. Außerdem musste ich mich um meine künstlerischen Aktivitäten außerhalb der Schule kümmern und konnte somit keine Sekunde länger dort sein. So richtig beigebracht hat’s mir bis heute noch keiner und somit ist das auch immer noch ein Stück typisch Ossi, was ich mit mir herum trage. Als Optimist und somit positiv denkender Mensch sage ich nicht: „Ich bin eine Niete in Englisch“, sondern eben „schlecht Englisch kann ich gut.“
Interview Katharina Leppin
Bürger Lars Dietrich: Schlecht Englisch kann ich gut - Eine freie deutsche Jugend, rororo Taschenbuch, 240 S. 8,95 €, 978-3-499-62539-8
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